Kultur von Carnivoren

Sarracenia und Venusfliegenfallen pflanzt man am besten im Frühjahr-Sommer, dann können sie sich an das Freilandklima gewöhnen und ein reichhaltiges Wurzelsystem bilden  um den folgenden Winter unbeschadet zu überstehen. Alle anderen Moorpflanzen kann man das ganze Jahr über pflanzen.

 

Drosera /Sonnentau

Die winterharten Sonnentaue - Drosera - werden am besten Ganzjährig im Freien kultiviert. Ich nehme sauren ungedüngten Hochmoortorf (Weißtorf) ist Nährstoffarm, man kann bei einigen Arten auch Sphagnum nehmen wobei man aufpassen muß das die Pflanzen nicht überwachsen werden. Normale Blumenerde zum Beispiel enthält zu viel Nährstoffe und bringt die Pflanzen relativ schnell um. Im Sommer mögen sie es sonnig. Zum Herbst bilden die Pflanzen Winterrosetten welche längere Frostperioden vertragen, zum Frühjahr treiben sie wieder aus.

 

Überwinterungsknospen von Drosera und Pinguicula

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Drosera filiformis im Jahreszyklus

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Drosera anglica im Jahreszyklus

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Pinguicula grandiflora

Pinguicula /Fettkräuter

Die Fettkräuter kann man grob in tropische und temperierte Arten unterteilen. Die tropischen wachsen das ganze Jahr über, im Sommer wie Winter benötigen sie warmes Klima (Fensterbank).

 

Die temperierten (winterharten) Pinguicula bevorzugen moosige feuchte halbschattige Standorte, teilweise auch an Wasserfällen oder Bächen. Diese Pflanzen werden am besten in Torf, oder mit Torf-Vermiculite oder mit Torf-Sandgemisch das je nach Art noch aufzukalken ist kultiviert.

Die insektenfangenden Blätter werden im Mai zusammen mit den veilchenartigen Blüten gebildet. Zum Spätsommer ziehen sich die Pflanzen tief in die Erde zurück, und bilden Überwinterungsknospen mit Hibernakeln (Brutknospen).

Pinguicula grandiflora im Jahreszyklus

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Sarracenia /Schlauchpflanzen

Sarracenien sind nicht sonderlich schwer zu kultivieren, als Substrat empfiehlt sich eine Mischung aus Torf oder Torf-Sand-Perlitegemische, die Bewässerung erfolgt im Anstauverfahren. Wie alle anderen Karnivoren auch, reagieren sie negativ auf Kalk im Gießwasser. Daher sollte auch hier möglichst nur mit Regenwasser oder destilierten Wasser gegossen werden. Am schönsten können sich die Schläuche unter vollsonnigen Bedingungen Ausfärben. Die Schläuche einiger Arten können eine Höhe von 1m erreichen, Sarracenien sind hervorragend für die Kultur im Freien, zB. in einem Moorbeet geeignet. Die Schlauchpflanzen sind zum Teil erstaunlich frosthart und können durchaus ganzjährig draußen gehalten werden. Aufgrund der Herkunft benötigen die Pflanzen eine Winterruhe, die ist zwingend notwendig. Während der Winterruhe bilden einige Arten nicht karnivore Blätter, sogenannte Phyllodien. Alle Arten haben gemeinsam, das in dieser Zeit keine Schläuche gebildet werden. Der Wachstumszyklus startet im April-Mai bei Pflanzen die ganzjährig Draußen gehalten werden. Als erstes erscheinen die schönen Blüten, kurze Zeit später die ersten Schläuche.

 

 Außer im Moorbeet kann man Sarracenien im Gewächshaus, Balkonkasten, Pflanzschalen oder vor der Fensterbank kultivieren.

 

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Dionaea /Venusfliegenfalle 

Die Venusfliegenfallen wachsen Draußen in Weißtorf, man kann aber noch 10% Quarzsand oder Perlite beimischen. Das Gießwasser bei Topfkultur sollte auch hier kalkfrei sein.

Im Frühjahr ausgepflanzte Venusfliegenfallen im Moor, haben bei mir den Winter 2008/9 bei bis zu 17° minus unbeschadet überstanden.

 

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Utricularia /Wasserschlauch

Bei den heimischen Arten des Wasserschlauchs handelt es sich um aquatische Arten, die in Mooren, Seen und Teichen wachsen und Wasserflöhe fangen. Die Wasserblätter können je nach Art bis zu 1m länge erreichen, sind feinfiedrig und haben zahlreiche bläschenförmige Fallen (ca 1,5 - 2 mm Durchmesser). Die goldgelben Blüten sitzen an aufrechten Blütenstengeln knapp über der Wasseroberfläche. Zum Herbst bilden die Pflanzen Überwinterungsknospen von ca 5 - 8 mm Durchmesser.

 

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Vermehrung

Damit es zu Bildung von Samen kommt muß die Blüte bestäubt weden. In der Natur geschieht dies durch Insekten, man kann aber die Bestäubung auch selbst vornehmen, indem man die Pollen mit einem Pinsel auf die Narbe überträgt. Bei Drosera reicht es meistens mit dem Pinsel vorsichtig in der Blüte herumzurühren. Einige Karnivoren wie z.B. viele Pinguicula und Drosera sind selbstfertil, das bedeutet sie können sich selbst mit ihren eigenen Pollen bestäuben. Nach erfolgreicher Bestäubung bildet die Pflanze Samen aus. Erst wenn die Samenstände vollständig vertrocknet sind schneidet man sie ab. Da die Samen mit zunehmender Lagerdauer deutlich an Keimfähigkeit verlieren, sollte man diese am besten sofort nach der Ernte aussäen. Das Substrat (Torf) sollte locker sein, vorher durchsieben und anfeuchten. Da die meisten Karnivoren Lichtkeimer sind, die Samen nicht bedecken und den Topf an einem hellen Ort stellen. Das Substrat immer feucht halten, und ewentuell mit einer Frischhaltefolie oder Glasscheibe abdecken. Sehr wichtig ist es einige Löcher in die Folie zu schneiden, damit Luft hinein zirkulieren kann. Drauf achten das das Substrat nicht anfängt zu schimmeln. Die Folie wird entfernt sobald sich die ersten Keimlinge zeigen. 

Bei Sarracenia und Dionaea muscipula sollte der Samen für einige Wochen Kälte ausgesetzt werden, da die Keimrate dann besser ist. Stehen die Sämlinge bei erfolgreicher Keimung sehr dicht werden sie im nächsten Frühjahr auseinander pikiert. dabei nimmt man die größten Pflanzen raus und pflanzt sie in kleine Töpfe. Bis blühfähige Pflanzen aus den Samen bei Sarracenia und Dionaea muscipula erwachsen sind dauert es noch einige Jahre. Größere Pflanzen wie Sarracenia bilden mit der Zeit auch größere Horste, die man im Frühjahr vorsichtig teilen kann. 

 

Einige Sonnentau-Arten und Venusfliegenfallen lassen sich auch durch Wurzel- und Blattstecklinge vermehren. Dazu schneidet man ein kräftiges Blatt möglichst dicht an der Pflanze komplett ab. Bei manchen Sonnentau-Arten wie Drosera filiformis mit langen Blättern kann man diese auch in ca 1 cm langen Stücken zerteilen. Diese Stücke legt man mit der Oberseite (Tentakelseite) nach oben auf feuchtes Substrat (Torf). Das ganze mit einer Frischhaltefolie, einige Löcher reinschneiden oder eine Glasscheibe abdecken. Das Gefäß so aufstellt das keine direkte Sonne darauf scheint. Nach ein paar Wochen entstehen auf den Blättern kleine Stecklinge. Wenn diese größer gewachsen sind kann man sie umtopfen. 

 

Sehr gute Resultate bringt die Vermehrung von Pinguicula durch Samen oder durch die zum Herbst gebildeten Winterrosette mit Brutknospen (Hibernakeln).